16 Mrz 2020

2020, in der Tat ein magisches Jahr

Tiefenatmen durch die Nase; Sonnenlicht tanken; das an Nahrung und Vitaminen zu uns nehmen, wo wir glauben, dass es hilft; heiss baden, kalt duschen; innehalten und das Reduit geniessen; waldbaden; viel trinken; uns selbstverantwortlich fühlen… das tue ich in Zeiten von Covid-19.   

Martin Boom* schrieb, dass die Corona-Epidemie auf eine Gesellschaft treffe, die unter Orientierungslosigkeit und Verunsicherung leidet, gepaart mit dem Vertrauensverlust gegenüber Politik und Wirtschaft (und womöglich gegenüber sich selbst, A.d.R.). Das Virus werde so zur Verkörperung einer ideellen Krise, die schon lange schwelt. Jetzt müsse sich zeigen, schreibt er weiter, ob das sensible Verhältnis zwischen Eigeninteresse und Verantwortung fürs Gemeinwohl noch tragfähig ausgelotet sei. «Die Corona-Krise lässt sich nur auf dem Boden eines Wertverständnisses bewältigen, das das Eigeninteresse gerade dadurch befördert sieht, dass es sich am Gemeininteresse orientiert und darin aufgehoben ist.»

Diesen Bezug finden wir nicht nur im Humanismus, sondern auch im Yoga: Wir sind keine isolierten Einzelwesen, sondern Teil von etwas Grösserem, das jeder Mensch ganz für sich ausloten und erkennen darf. In diesem Verständnis kann ich mich inmitten eines Sturms getragen fühlen statt in wild gewordenen Gedanken düstere Zukunftsvisionen heraufzubeschwören. Wie bei einer Wasserscheide, entscheidet sich mein Denken entweder für die Utopie oder die Dystopie**.

Deshalb appelliere ich, die Risiken zwar ernst zu nehmen, doch den Blick auch auf die Chancen und nach innen zu richten. Dieses Virus ist geradezu ein Aufruf, uns, unserem Atem und unseren Atemwegen Sorge zu tragen. Biologieprofessorin Viola Vogel*** von der ETH Zürich rät, die Selbstreinigungskräfte der Atemwege zu unterstützen. Denn in den Körper gelangt das Coronavirus über Tröpfcheninfektionen. Dann haftet es sich an die Schleimhäute im Mund-, Nasen- und Rachenraum, wo es sich zu vermehren versucht. Das braucht eine gewisse Zeit. Unsere Atemwege haben jedoch wirksame Selbstreinigungsmechanismen: Winzige Flimmerhärchen transportieren den Schleim und darin abge­lagerte Partikel «wie auf einem Fliessband» nach draussen. Damit dieses Fliessband seinen Job machen kann, sollte der Schleim nicht zu dickflüssig sein und die Schleimschicht nicht zu dick, empfiehlt die Expertin.

Kleine Helferliste von Viola und Lea:

  • inhalieren, gurgeln, Nase spülen
  • viel Wasser, Ingwer- oder Lindenblütentee trinken (und womöglich wenig Milchprodukte)
  • bewusst und mit Genuss durch die Nase, unseren eingebauten Filter, atmen
  • täglich ausgleichende und reinigende Pranayamatechniken nutzen wie Wechselatmung, Feueratmung oder Kapalabhati 
  • ab und zu innehalten, schauen, was unmittelbar ist, und das unterscheiden von dem, was sich in Gedanken abspielt
  • mit Unterstützung der Ujjayi-Atmung die innere Mitte finden und halten

 

*Gastkommentar NZZ vom 14.3.20 von Martin Booms, Geschäftsführer der Bonner Akademie für Sozialethik und öffentliche Kultur

**siehe Dr. Ulrich Warnke, Wie das Bewusstsein Wirklichkeit schaltet: https://youtu.be/lVhFhR_lSdw

***Prof. Viola Vogel, Mit Atemwegspflege das Infektionsrisiko senken: https://ethz.ch/de/news-und-veranstaltungen/eth-news/news/2020/03/zukunftsblog-viola-vogel-mit-atemwegspflege-das-infektionsrisiko-senken.html