20 Aug 2017

Faszi(e)nation II

«Muskeln, Knochen, Gelenke, sagt mir was, spür ich auch, aber Bindegewebe?» Im zweiten Teil habe ich fünf verschiedene Annährungen an die ominösen Faszien zusammengestellt. Viel Vergnügen!

FAUL: Was sind Faszien? Wie dehn ich sie? Welche Tools gibts? Der Ex-Leichtathlet und Personal Trainer Dave Dollé erklärts klar und knackig in vier Fünf-Minuten-Videos der «Schweizer Illustrierten». Jetzt weisst du, was es mit dem Foto vom Drückehirsch auf sich hat.

PEINLICH: Tu mal wieder was Peinliches, aber Befreiendes für deine Faszien. Sie brauchen ihre tägliche Ration Druck, Zug, Kraft, Widerstand und Kompression. Räkle dich an der Tramhaltestelle, roll eine Wiese runter, mach Seilhüpfen neben deinem Schreibtisch oder tanz in deinem Wohnzimmer. Peinlich wirds für deine Kinder oder Enkelkinder, wenn du sie auf den Spielplatz oder in den Skaterpark begleitest und selber mitmachst.

GENÜSSLICH: Da du deine eigenen Faszien nicht anfassen kannst, geh doch beim Kochen mal auf eine sinnliche Entdeckungstour: Schäl eine Zitrusfrucht und sieh dir die Struktur der Ober-, Zwischen- und Innenhaut genauer an. Inspiziere die Sehnen, Bänder und feinen Häutchen am Fleisch, bevors in den Topf kommt. Lass gelartiges Eiweiss durch deine Finger rinnen, bevor du einen Kuchen backst.

VERWEGEN: Binde- und Gehirngewebe bleibt gesund, wenn es nicht in derselben (Denk)Haltung verharrt, sondern ab und zu Widerstand spürt und raus aus der Komfortzone gelockt wird. Da gibts ein paar coole Sportarten, die von der Stiftung Faszientest eine Top-Bewertung kriegen würden: Trampolinspringen, Slacklinen, Acro-Yoga oder SUP Yoga. Und klar, gibts ganz viele Trends wie fascial release, rebound elasticity und fluid refinement – zwar spannend, aber auch nur alter Wein in neuen Schläuchen.

URSPRÜNGLICH: Du sahst auch mal so aus wie ein Ei. Keine Knochen, nur Fluid, genährt vom eigenen Dottersack, eingefasst in einer schützenden Membran. Du wurdest von einem Samen erobert, worauf sich dein Bauplan entfalten konnte. Aber im Ursprung bist du immer noch ein Meer aus Zellplasma.